
Die Berliner Szene mag ja Geheimniskrämerei. Und die ein oder andere Erfahrung habe ich damit ja auch schon gemacht: schwarze Türen, an die man klopfen muss, Wandschränke, durch die man in Partykeller steigen kann, und so weiter. Nun aber ein ganzes Festival, das ziemlich geheim ist. Ich habe nun dieses Wochenende gelernt, dass sich alle, die keine Lust auf das – mir als Elektro-Banause gänzlich unbekanntes – Fusion-Festival haben, sich lieber in der Brandenburger Einöde zur Confusion treffen. Gut, dann kann man das ja schön mit einer Motorrad-Tour verbinden, dachte ich – und gut, dass ich zum ersten Mal mit einem Gleichgesinnten gefahren bin, sonst hätte ich sicherlich schon aufgegeben, als mir zwei von allen drei Einwohnern des besagten Brandenburger Dorfes sagten, sie hätten weit und breit kein Festival gesehen. Anrufe bei den bekannten Festivalbesuchern ergebnislos, ich glaube, das Brandenburger Mobilfunknetz hört halt irgendwann einfach auf. Aber ich hatte ja noch den geheimen Joker: einen schwarzen Flyer mit einem Datum und einer Telefonnummer. Ein Anrufbeantworter sagte uns immerhin eine Straße in besagtem Dorf, in der es “Zeichen” geben sollte. Die haben wir zwar nicht gefunden, aber im Nachhinein hörte ich, es seien wohl grüne “Puschel” am Straßenrand gewesen. Hingefunden haben wir schlussendlich. Aufgefunden wider Erwarten tatsächlich einen Haufen Leute. Das Festival hat, jedenfalls für mich, seinen Namen durchaus verdient.
Ein Streifzug durch Prag, eine Wahl-Stockholmerin, eine Wahl-Berlinerin, drei Tage Sightseeing, einen Tag headbangen auf dem Sonisphere Festival 2010 mit den Big Four of Thrash Metal, Anthrax, Slayer, Megadeth und Metallica. Ganz viel Art Deco-Kunst von Alfons Mucha, noch mehr Touristen, Bier für 40 Kronen – keine zwei Euro -, und Dave Mustaine fast zum Anfassen nah. Enttäuschte deutsche Fußball-Fans in der Prager Altstadt, bewusstlose Festivalbesucher in Dixi-Toiletten, nächtliche Fahrten durch die tschechische Einöde, “Hell 1″ Nummernschildern folgend, und ein deutscher Männerchor, der auf der Einkaufsstraße Seemannslieder singt. Eine Schifffahrt mit Erklärungen vom Band in sieben Sprachen und mitten in der Nacht Feuerwerk zu “Enter Sandmann”. Mann, ist das schön, ab und zu aus Berlin rauszukommen.
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Wir verstehen uns gut, wir zwei beide. Und das schon nach drei Tagen. Sie ist schön und schwarz und stark und trägt meine Initalen. Ich bin verdammt stolz und kann noch gar nicht richtig glauben, dass sie mir gehört. Ich gucke jede Stunde aus dem Küchenfenster, um mich zu versichern, dass sie immer noch vor der Tür steht. Wir haben uns schon durch den Berliner Stadtverkehr geschlagen und im Brandenburger Nirgendwo verfahren. Das mulmige Gefühl schwindet langsam, der Respekt bleibt. Ich bin mir sicher, dass wir einen wunderbaren Sommer zusammen haben werden.
Das ist sie, meine neue Maschine! Nachdem ich nun schon wochenlang um das gute Stück herumgeschlichen bin, die Jungs im Motorradladen mit blöden Fragen gelöchert habe (“Das ist aber kein Mädchenmotorrad oder?” “Geht der Aufkleber ab?” “Bekomme ich noch ein hübscheres Tankpad? Und mein Wunschkennzeichen?”), habe ich heute mein Sparschwein auf dem Ladentresen ausgeschüttet. Also fast. Und dafür eine schicke, fette, schwarze Honda CBF 600 bekommen:
Nur das mit dem Wunschkennzeichen ist so eine Sache. Bei den Bikern sind Zahlen nicht gleich Zahlen. Als der Verkäufer meinen Wunsch nach meinen Initialen plus der 666 gehört hat, hat er nur gelacht. Okay, für 6-er Kennzeichen bei Motorrädern gibt es also eine Warteliste. Außerdem sollte die Zahl auch besser zweistellig sein. 13 wollte der Verkäufer nicht, bringt Unglück. 88 ist Nazi-Kennung, mein Geburtsjahr 81 bedeutet Hells Angels-Sympathisant. Nun, vielleicht bekomme ich nun die 77, die bedeutet immerhin nichts schlimmes. “Glaub mir”, sagte der Verkäufer. “Die Biker sind ein komisches Volk. Willkommen und herzlichen Glückwunsch!”
Es ist ja bekanntlich so, dass die Deutschen zu später – oder früher – Stunde besonders gern unterwegs sind – etwa im Gegensatz zu den Engländern oder den Schweden. Berlin scheint hier ein äußerst gutes Beispiel zu sein: So stand ich schon mehrfach am Sonntagmittag vor der Bar 25, einem mittlerweile geschlossenen Club direkt an der Spree, und wurde nicht reingelassen, weil dort noch immer das Publikum von Freitag- oder Samstagnacht unterwegs war. Ich weiß auch mittlerweile, dass man nicht vor sechs oder sieben Uhr morgens ins Berghain geht, weil dort vorher nichts los ist – oder aber die Schlange zu lang ist, so wie heute. Das ist zwar widersprüchlich, aber wahr. Sie brauchen angeblich viel zu lange für den Einlass.
Heute nacht also Clubhopping und das sieht so aus: Die Wohnung verlassen gegen 23 Uhr zum Vorglühen. Auf einer halben Privatparty in einem illegalen Club eingeladen sein, den man nicht findet, wenn man nicht weiß, wo er ist. Dort um halb zwölf einlaufen, feststellen, dass noch nichts los ist und stattdessen lieber noch mal in der Kneipe nebenan einen Drink nehmen. Gegen ein Uhr noch einen Drink bestellen, weil es ja noch zu früh ist. Um halb zwei überlegen, wo man hingehen könnte. Um zwei doch auf der Privatparty aufschlagen und feststellen, dass die Musik eigentlich viel zu leise ist. Um halb drei in den nächstgelegenden Club fahren (in diesem Fall das Maria am Ostbahnhof) und feststellen, dass die Musik eigentlich blöd ist. Um drei in den nächsten Club nebenan fallen und sehen, dass die Schlange zweihundert Meter lang ist (Berghain). Vielleicht später wiederkommen. Ein paar Engländer, die nicht reingekommen sind, in einen anderen Club schicken. Um halb vier die nächstgelegene Option abchecken (Watergate), die Schlange ist annehmbar. Um vier tatsächlich an der Bar stehen und eine halbe Stunde auf seinen Drink warten (zum Glück war man ja vorglühen). Um fünf feststellen, dass zu viel elektronische Musik echt körperlich schmerzt. Um halb sechs improvisierte Ohrstöpsel einsetzen und merken, dass die Musik wirklich nicht besser wird. Also ab nach Hause – schade, eigentlich ist es noch zu früh, um zu gehen, aber keine Lust mehr auf die Schlange im Berghain, die nicht wirklich kürzer geworden ist. Einen Falafel holen und dafür noch mal eine halbe Stunde anstehen: Rushhour an den Imbissbuden ist um sechs Uhr morgens. Und sich dann wieder einmal fragen, warum der mysteriöse Blumenladen in der Oranienstraße um diese Uhrzeit noch geöffnet hat.

Wer aus Stockholm zum ersten Mal nach Berlin kommt, dem tun sich ganz neue Dimensionen auf. Hier das Fazit des letzten Wochenendes der Berlin-Stockholm Connection:
- Ein Cocktail in Berlin kostet so viel wie ein kleines Bier in Schweden und man kann Alkohol überall kaufen (“Fuck! They are selling wine at the drugstore?”)
- Rauchen ist erlaubt, oder zumindest toleriert (“Don’t they have to go outside?”)
- Die Clubs machen nicht um 2 Uhr nachts dicht – Blumenläden übrigens auch nicht (“Why the hell is that flower shop still open in the middle of the night!”)
- Dafür gibt es dafür auch noch halbnackte Tänzerinnen obendrauf (“Eh…irritating”)
- Essen kann man gut und günstig (“4 Euros for a Phad soup? I paid 12 the other day and it tasted like dishwater!”)
- Eine Dreizimmerwohnung in Berlin ist so teuer wie ein Einzimmerapartment in Stockholm (“Stockholm is a fucking toilet!”)
- Der einzige Nachteil: Männer mit langen Haaren sind rar (“Where are all the metal guys in this metal bar?”)





