Faleiry


Seeluft geschnuppert
30. September 2006, 18:43
Gespeichert unter: Leben

milleniumcentre180.jpgWar ja irgendwie klar, dass die Sonne scheint, wenn ich aufstehe und es wie aus Eimern gießt, wenn ich das Haus verlasse. So war das zumindest heute – trotzdem wollte ich den Süden Cardiffs erkunden und das Meer sehen. Den richtigen Bus zu finden war das zweite Problem. Ich habe immer noch nicht herausgefunden, warum manche halten, manche nicht, wenn man winkt oder nichts tut oder auf der Rückfahrt andere Touren fahren als auf der Hinfahrt, aber irgendwie habe ich dann doch geschafft, zum Cardiff Bay zu kommen. Viel vom weiten Meer war zwar nicht zu sehen, aber immerhin eine urbane Hafenlandschaft mit Open-Air-Kunst, Galerien, Kneipen und Restaurants. Für die Klippen und Wellen muss man wohl noch ein bisschen weiter raus aus der Stadt – oder eine der Bootsfahrten zu den Inseln vor der Küste machen. Aber viel Wasser und kreischende Möven gab’s natürlich trotzdem. Das Bild zeigt übigens einen Teil des Millenium Centres, des Kulturzentrums und der Welsh National Opera am Hafen.

Ansonsten habe ich festgestellt, dass die Wäschetrockner hier genauso wenig funktionieren wie in Irland und meine Wäsche nach einer Stunde trocknen noch genauso nass war wie vorher. Deswegen habe ich mein äußerst geräumiges Zimmer nun auch noch zum Wäschekeller umfunktioniert und alles, was sich zum Dranhängen eignet, ausgenutzt. Jetzt habe ich eine Luftfeuchtigkeit von geschätzten 150 Prozent – und die Sauna inklusive. Naja, dafür hat die britische Band Zutons einen UK-Hit mit dem Song „Valerie“ gelandet, die Killers bringen am Montag ihr neues Album raus und Motörhead spielt in der Students Union – an diesem Tag werde ich aber einen großen Bogen um das ohnehin klapprig aussehende Gebäude machen. Und ich habe schon eine Einladung nach Kalkutta, zu einem Festival, bei dem sich alle Inder gegenseitig bunte Farben ins Gesicht werfen, um den Frühling zu begrüßen. Und ich kennen jetzt alle indischen Götter und die dazugehörigen Feste – die Namen habe ich aber leider wieder vergessen.



Brains!
28. September 2006, 19:19
Gespeichert unter: Leben

brains180.jpgEndlich typisch-walisisches Wetter: Regen, Regen, Regen. Darauf hätte ich auch noch ein bisschen warten können… Dafür sehe ich endlich Licht am Ende des Tunnels, wenn es um den ganzen organisatorischen Kram und die Formularausfüllerei geht. Heute habe ich noch einen Englisch-Test über mich ergehen lassen müssen (diesmal ohne Vogelarten aufzählen zu müssen) und beim fünfmillionsten Einführungsvortrag auch den Dorfpolizisten und den Feuerwehrhauptmann kennen gelernt. Die Botschaft des Ganzen: Bitte nicht das Wohnheim abfackeln und keine Laptops auf die Fensterbank legen, da sie dort mit hoher Wahrscheinlichkeit entwendet werden. Wieder was gelernt.

Außerdem bin ich heute stolzes Mitglied der Dancing Society. Eindrucksvoll? Wartet nur, bis Ihr den Namen der Gruppe lest….nämlich: „Funky Arse Disco Dancing“, kurz FADD. Na, das klingt ja vielversprechend ;o) Ich hätte heute auch der Vampir- und Final Fantasy-Verkleidungs-Society beitreten können (übergewichtige Elfen in Schwarzmagier-Kostümen), der Harry Potter-Society (Kinder mit Kajal-Blitz im Gesicht), dem Debattierclub oder meinen Freunden von Hare Krishna. Dann doch lieber die Möchtegern-Pussycat Dolls. Mittwoch in einer Woche geht’s los, ich bin gespannt.

Gestern habe ich das Pub-Leben im Stadtteil Cathays ein bisschen kennen gelernt. Bei der Pub-Tour für Postgraduate Studenten wurden wir von einem Pub zum nächsten gescheucht und haben in jedem einen Überraschungs-Drink bekommen. Der erste war Cider, der zweite das walisische Bier „Brains“ – schmeckt erstaunlich gut, sogar mir. Der Bayer in der Runde (der eigentlich in Wiesbaden wohnt und ein paar Freunde in Königstein hat…) sagte, es schmecke wie Andechser. Nach dem Brains kann ich die Drinks nicht mehr zuordnen. Aber nur weil es dann bunte Mischgetränke in Gläsern ohne Aufschrift gab. Naja, nach dem vierten oder fünften Pub habe ich mich auch verabschieden müssen, in der Hoffnung, „Brains“ macht seinem Namen alle Ehre und wirkt bis zum nächsten Morgen für den Englischtest. Die Ergebnisse dauern allerdings noch ein bisschen.

Wenn es am Wochenende schön wird, gibt es ein paar Meer-Bilder, also Daumen drücken. Und irgendwann – das habe ich mir vorgenommen – muss ich noch in der nordwalisischen Ort mit dem längsten Namen im Königreich: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwlllantisiliogogogoch. Nein, ich habe nicht wahllos auf die Tastatur gehauen, der heißt wirklich so. Und wer das ausspechen kann, dem gebe ich eine Menge Brains aus.



Bore da, Weihnachten!
26. September 2006, 16:17
Gespeichert unter: Leben

xmas200.jpgHeute wurden tatsächlich überdimensionale, leuchtende Tannenbäume in der Fußgängerzone aufgehängt. Und eben habe ich im Radio den ersten Weihnachts-Jingle in der Werbung gehört…ojeoje. Dabei scheint heute schon den ganzen Tag die Sonne und es ist eigentlich recht warm. Deswegen bin auch ein bisschen durch die Stadt spaziert, einmal um das Schloss herum, die Fußgängerzone hoch und runter und alles wieder zurück. Es gibt hier auch einen Wasserbus, also ein Boot, das den Fluss hoch und runter fährt – das probiere ich das nächste Mal, denn ich habe mir vorgenommen, so bald wie möglich zum Meer zu kommen. In dieser Woche habe ich hoffentlich noch ein bisschen Zeit dazu, denn es stehen nur ein paar Einführungsveranstaltungen auf dem Programm, unter anderem eine Pub-Tour ;o) Deswegen wollte ich gestern Abend von einem Waliser lernen, was „Prost!“ heißt. Dabei herausgekommen ist, dass ich zwar nicht Prost sagen kann, aber Guten Morgen: „Bore da!“ (sprich: Borra-dah) Ich dachte bis heute Mittag, es hieße Prost – da ich eigentlich kein Wort von dem Waliser verstanden habe, habe ich sicherheitshalber noch mal auf einer Postkarte (Walisisch lernen für Touristen) geschaut und habe meinen Fehler entdeckt. Naja, Guten Morgen ist besser als nichts.



Der kleine Finger und die Seite des Teufels
24. September 2006, 19:20
Gespeichert unter: Leben, Reisen

cymru1.jpg

Juchu, der kleine Supermarkt um die Ecke verkauft Strongbow-Cider in Zwei-Liter-Flaschen! Deswegen kann ich Euch jetzt endlich zuprosten. Und weil ich mal wieder die Finger nicht von den bunten Devotionalien lassen konnte, kann ich mein Glas jetzt auch auf einem Cymru-Drachen-Untersetzer abstellen.

Leider kann ich nach dem heutigen Tag nicht mit romatischen Burgen-Bildern dienen, denn ich hab irgendwie bei der Tagestour durch South Wales den falschen Bus erwischt und bin 90 Fuß unter der Erde in einer Kohlemine gelandet. Auch gut. Ich wollte schon immer mal mit Helmfunzel durch dunkle, nasse Gänge kriechen. War aber sehr interessant, vor allem weil es danach noch eine Führung durch ein rekonstruiertes, walisisches Mittelalter-Dorf gab. Ein Traum für jeden Live-Rollenspieler ;o) Der Guide hat sich natürlich in Schale geworfen und mit den Schweinen und nachgezüchteten Urschafen Walisisch geredet – sie haben trotzdem (oder deswegen?) nicht drauf gehört.

Außerdem weiß ich jetzt, warum die Engländer den kleinen Finger abspreizen, wenn sie Tee oder anderes trinken. Nein, nicht wie Laura vermutet, weil man die Finger weg vom Alkohol lassen soll. Sondern weil die Suppe im Mittelalter in Großbritannien so ungenießbar war (ach, damals schon?), dass man sie nur mit viel Salz essen konnte. Dafür waren in den Holztellern kleine Auskerbungen, aus denen man mit dem kleinen Finger Salz tippen konnte. Und damit man nicht mit dreckigen und fettigen Fingern das Salz über das Essen streuen musste, spreizten die Briten ihren kleinen Finger beim Essen und Trinken ab. Und der Mann trägt seinen Ehering übrigens links, weil das laut Kirche im Mittelalter die Seite des Teufels ist und die Frau bei der Hochzeit links steht. So, wieder ein bisschen reicher, was unnützes Wissen betrifft ;o)



Angekommen!
23. September 2006, 19:53
Gespeichert unter: Leben

Hier sitze ich also auf der britischen Insel, in meinem kleinen Zimmer in einem der Studentenwohnheime in Cardiff und draußen ziehen die ersten Partygänger des Samstagabends vorbei. Auf meiner Fensterbank steht mein kleiner Radiowecker und dudelt walisisches Radio – ich habe einen englischen Sender eingestellt, das walisische Kauderwelsch war auf Dauer recht anstrengend. Vorhin habe ich es endlich geschafft, ein paar Fotos aufzuhängen und einen Großeinkauf bei Tesco, der Supermarktkette, zu starten. Kurz: Ich bin angekommen.

Und das sogar, ohne einen Kulturschock zu erleiden. Viele Einheimische habe ich noch nicht getroffen, aber dafür einen Haufen Chinesen und Inder. Ich wohne in einem der Studentenwohnheime der Cardiff University – und da ich mit dem Schlimmsten gerechnet habe, war der Schock gar nicht so groß. Das Zimmer ist sehr klein, aber ich versuche, es mir trotzdem gemütlich zu machen (wie Ihr auf meinen Flickr-Bildern sehen könnt). Die Wohnung teile ich mit drei anderen Mädchen: einer Inderin und zwei Griechinnen. Zwei Zimmer sind noch frei, ich bin gespannt, wer da noch so eintrudelt. Eine Chinesin und noch eine Inderin wahrscheinlich. Das ist allerdings gar nicht so schlecht, denn schließlich kochen die bekanntermaßen gut und vegetarisch ;o)

Die vergangenen zwei Tage habe ich damit zugebracht, von A nach B zu rennen und Zettelkram zu erledigen und rosa Formulare von einem Schalter zum nächsten zu tragen. Schön aber, dass ich dabei immer Gesellschaft hatte und es den anderen genauso geht. Die Uni ist überraschend gut organisiert, die Leute sehr hilfsbereit und herzlich. Immer wenn ich aus der Wohnung gehe, stolpere ich über einen neuen Haufen Einladungen und Infobroschüren, die irgendwer unter der Tür durchschiebt. Außerdem bekomme ich regelmäßig Grußbotschaften von der Hausassistentin Doreen, die ich aber noch nie gesehen habe. Die Küchengeräte sind noch ein großes Mysterium, aber das bekommen wir auch noch geregelt. Der Backofen sieht eher aus wie ein kleines Krematorium und gestern hat es damit jemand geschafft, den Feueralarm auszulösen. Der ist übrigens auch schon mitten in der Nacht angegangen und dann mussten alle, die nicht einem Herzinfarkt erlegen sind, raus in den Hof und warten, bis die gelangweilten Security-Jungs angerückt sind. Wie es hier mit Freizeitaktivitäten aussieht, weiß ich noch nicht, denn die Infomesse der Vereinigungen ist erst nächste Woche. Dafür habe ich aber schon eine Einladung der Hare Krishna-Society zum Koch- und Yoga-Abend, na immerhin.

Mein Haus liegt in einer ganzen Wohnheim-Siedlung mit Kneipe, Supermarkt, Polizisten und Sporthallen. Jeder, der hier vorbeiläuft, ist Student. Bis in die Innenstadt ist es allerdings ein recht langer Fußmarsch und auch zu meiner Schule für Journalismus, Medien und Wasauchimmer werde ich jeden Morgen tapfer laufen müssen. Es sei denn, ich beantrage eine Studentenbahnbuskarte, mit der ich dann in ganz UK herumfahren kann. Das aber ist Zettelkram, der noch bis nächste Woche warten muss… Die Kurse starten erst in der ersten Oktoberwoche, das heißt, ich habe noch ein bisschen Zeit, mich umzusehen. Von Cardiff selbst habe ich noch recht wenig gesehen – noch nicht einmal den Hafen und das Meer. Das werde ich morgen nachholen, und zwar bei der Bus Tour durch die Hauptstadt und South Wales. Und danach gibt’s bestimmt auch mehr und vor allem schöne Fotos ;o)

Übrigens: Wie versprochen habe ich mein erstes walisisches Wort auszusprechen gelernt. Cymru wird nicht wie vermutet „Kümru“ sondern „Kamri“ ausgesprochen. Hat mir zumindest der walisische Außenminister gesagt, und der muss es ja wissen.