Langsam wird es hier richtig leer. Keine betrunkenen Studenten mehr, die nachts singend im geklauten Einkaufswagen vorbeifahren oder in Nikolauskostümen gegen den Laternenmast vor meinem Fenster laufen. Das Semester geht zu Ende und alle machen sich über Weihnachten auf den Heimweg. Nach einer anstrengenden, aber erfolgreichen letzten Semesterwoche haben wir noch einmal alle zusammen gefeiert und am Samstag sogar noch einen kleinen Ausflug in die Brecon Beacons gemacht – ein Naturschutzgebiet nördlich von Cardiff. Matschwanderung in der Sonne und ganz viele Wasserfälle, deren Namen kein Mensch aussprechen kann. Wunderschön. Der Topf voller Gold am Ende des Regenbogens, den Ihr auf dem Bildchen sehen könnt, war es mir allerdings doch nicht Wert, mich in die Fluten zu stürzen.
Hier auf dieser Seite wird es jetzt also für den Rest des Jahres ein bisschen ruhiger, denn auch ich starte bald in die Heimat. Deswegen wünsche ich Euch schon jetzt frohe Weihnachten und ein wunderbares und glückliches neues Jahr 2007. Nach der Weihnachtspause kommen dann die neuen Folgen von Faleiry i Cymru. Nadolig Llawen a Blwyddyn Newydd Dda (merry Christmas and a happy new year)!
Dass zu später Stunde und am Ende des Semesters die Ernsthaftigkeit flöten geht, seht Ihr hier an meinem Vorschlag, wie man Smoothies in Deutschland am besten vermarkten könnte. Außerdem ist ja auch bald Fasching. Naja, die letzte Präsentation naht: Innocent Smoothies sollen in Deutschland eingeführt werden. Den Mädels aus meiner Gruppe hat das Hütchen aber so gut gefallen, dass wir es jetzt für unsere Power Point benutzen. Ich soll auch irgendwo einen Bayern auf einer Folie verstecken. Ich habe vorgeschlagen, dass ich ja auch jodeln und schuhplatteln könnte. Dafür ist aber wahrscheinlich keine Zeit, schade. Eins ist aber klar: Wenn dann die anderen Studenten nach der Präsentation Smoothies zu trinken bekommen, nehmen wir für uns welche mit Hochprozentigem drin.
Durch Zufall bin ich übrigens auch über den Cardiffer Weihnachtsmarkt gestolpert – er hat immerhin doppelt so viele Buden wie der Dieburger, also ungefähr zehn. Da gibt’s German Bratwurst und Welsh Dragon (was auch immer das ist, Drachenschnitzel?) und Schlitten, mit denen man nirgendwo fahren kann, weil kein Schnee. Aber keinen Glühwein und keinen Glühcider. Dafür ist die Polizei so nett, mit ihren Pferden herumzustehen, damit die Kinder was zum Streicheln haben. Ich hätte lieber Schafe. Die gibt’s aber nur als Wolldecke oder Socken.
Die Darmstädter Online-Journalisten unter Euch stellen sich jetzt bitte Folgendes vor: Die Dieburger Mensa von oben bis unten mit Glitzer behängt, ein kleiner Kassettenrekorder, der laustark Weihnachtslieder vor sich hin scheppert und alle hoch motivierten Mitarbeiter in Elfen-, Rentier- und Tannenbaumkostümen. Ja, sogar der Chinese, der immer ein Tablett nach dem anderen in den Rollwagen geräumt hat – vor allem der, und zwar mit Rentiergeweih. Genau so ein Bild gibt die Mensa hier gerade ab. Alle Studenten werden von den wandelnden Tannenbäumen und Elfen dazu genötigt, während des Essens Papphüte aufzusetzen, die auf den Tischen bereit liegen – zusammen mit Knallbonbons, aus denen Witze und Papierkronen fliegen, Luftschlangen und andere Tischknallkörper. Zu essen gibt es nur noch Truthahn und für die Vegetarier Pilz-Cranberry-Pastete. Cranberries sind wirklich widerlich. Ach so, und Pommes. Und ja: Ich habe auch einen roten Papphut aufgesetzt und ihn sogar in der Vorlesung aufbehalten, weil’s so schön war. Wenn, dann so richtig. Zu dumm, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte…
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…und draußen ist es fast schon stockdunkel. Das war es eigentlich auch den ganzen Tag, wie der Blick aus meinem Fenster rechts beweist (das passt ja jetzt fast genau zum Header!). Gerade habe ich meine Klamotten zum Trocknen aufgehängt – wenigstens spart man sich die ein oder andere Wäsche durch den Dauerregen. Jedenfalls wenn man, wie ich heute, den Schirm zuhause vergisst. Man sollte meinen, dass ein Land, in dem es literweise regnet, zumindest gerade Straßen und Bürgersteige baut. Das ist definitiv nicht der Fall. Kleine Seen bilden sich alle paar Meter, die Bürgersteige überfluten und wenn ein Auto vorbeifährt, springt man entweder in den nächsten Vorgarten oder aber wird geduscht. Das ist mir heute auch gleich zwei Mal passiert. Die Autofahrer interessiert das herzlich wenig. Ich glaube, ich Deutschland kann man die verklagen und sich wenigstens die Reinigung bezahlen lassen. Da wären die hier schon arm.
Das Leben hier ist gerade recht unspektakulär – außer von einem Arbeitsgruppen-Meeting zum nächsten zu rennen, passiert nicht viel. Deswegen war auch leider kein Trip nach Bath am Wochenende drin. Und dass bald Weihnachten ist, bekommen ich auch nur durch die aufdringliche Blink-Werbung auf den Straßen mit. Die Fläche zum Schlittschuhlaufen, auf die die Cardiffer so stolz sind, kann man auch in der Pfeife rauchen. Sie ist ungefähr so groß wie zwei Reihen Parkplätze vor einem Supermarkt und kostet sieben Pfund die Stunde. Dem Riesenrad nebendran traue ich auch nicht, bei den Sturmböen hier. Dafür war ich gestern im „Shot in the Dark“, einem Pub, bei der ersten Open-Mic-Night – jeder kann singen und musizieren, wie er will. Natürlich habe ich weder das eine noch das andere getan, aber es war trotzdem schön. Musikalisch sind sie allemal, die Waliser.




