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Nein, nicht das irre um Stonehenge herumhüpfende Figürchen ist meine Second Life-Mieze, sondern das hier. Sie heißt übrigens Faleiry Rydell, langweilt sich gerade an der Akropolis [3. März: Apollo Gardens] und hat keine tollen Klamotten [jetzt schon, und zwar ein Ramones T-Shirt!], Geld und sonstige Kleinigkeiten, die das Leben schöner machen [doch, nämlich einen Anrufbeantworter und ein Huhn]. Auch Freunde hat sie kaum, die Arme (immerhin Papa Hans Pennell). Aber vielleicht kann man sich ja auch in Second Life bald schöne Freunde kaufen wie bei My Space. Oder aber ein paar echte Freunde kommen mal vorbei…;o)
Kein China mehr, jedenfalls für eine Weile. Die Pressekonferenz am Montag haben wir sehr gut gemeistert und obwohl wir heute in der Feedbackrunde vom Chef zerpflückt wurden, gab’s trotzdem noch ein A. Am Montag hat unsere Gruppe, neun Mädels, erstmal mit einem morgendlichen Pub-Crawl gefeiert, dass es rum ist. Den Rosenmontag habe ich hier also genauso zelebriert wie ich es daheim getan hätte, nur ohne Kostüm: mit viel Alkohol am Vormittag. Am Abend zuvor habe ich mir bei einer Dinner-Party bei Taz aus Kanada zum ersten Mal die Haare mit einem Mordinstrument glattbügeln lassen und am Dienstag (dem Fat Tuesday) gab’s Pfannkuchen. Das macht man hier so, habe ich mir sagen lassen: Bevor gefastet wird, stopft sich jeder noch mal mit Schokoladen-Pfannkuchen voll. Weil ein indischer Gott Geburtstag hatte, hat meine Mitbewohnerin Manasi nur Teig in der Küche rumgewirbelt, aber nichts gegessen – und der Rest hatte tollen Service und wurde non-stop mit Pfannkuchen versorgt.
Und weil mir danach nicht schon schlecht genug war, musste ich auch noch „Hannibal Rising“ im Kino sehen. Ich war allerdings die Einizige, die unglaubliche Freude an zwei Stunden Mordsgemetzel (und danach Hunger) hatte. Und da sogar ich manchmal an meine Gesundheit denke, habe ich mich gestern zum HipHop-Kurs im Fitness-Studio angemeldet. Naja, eigentlich haben mich Taz und Adriana nach dem Mittagessen hineingeschleift, und gesagt, das sei gut für mein Raucher-Herz. Sonntag geht’s also los und es kann ja nur besser werden, als die Funky Arse Dance Society, die ist nämlich voll für den Arse. Damit steigen also auch meine Chancen mal wieder von Null auf Eins, irgendwann Background-Tänzer von Justin Timberlake zu werden, wenn das mit der hippen Medienkarriere nichts werden sollte. Eigentlich hätte ich ja auch Scarlet Johansons Rolle in seinem neuen Musikvideo spielen sollen, aber ich war ja im Namen der Kommunisten unterwegs und zu sehr mit den rauchenden Chinesen beschäftigt. Dumm.
…und für alle Nicht-Chinesen unter Euch: „Happy New Year!“ Denn heute beginnt das neue Jahr in China und Taiwan und das wird auch in Cardiff gefeiert. Yung-Lan war so lieb, mir die Übersetzung zu liefern: Die ersten beiden Buchstaben der Überschrift bedeuten „neues Jahr“ und die letzten beiden „froh“. Und weil ich mich zurzeit Tag und Nacht für unsere PR-Kampagne mit China beschäftige – am Montag steht unsere Pressekonferenz an – habe ich mittlerweile auch einen Draht zur chinesischen Popmusik entwickelt. Der Herr rechts ist Jay Chou, der taiwanesische Superstar schlechthin und ich fahre gerade so auf ihn ab, dass Yung-Lan mir jetzt all seine Lieder auf CD brennen muss ;o) Nicht dass ich auch nur ein Wort verstehen würde, aber egal – Yung-Lan sagt, die Themen seiner Texte seien total toll (Familie, Kung-Fu, Weltgeschichte, Umwelt und Paparazzi). Und mir bleibt ja nichts anderes übrig, als ihr zu glauben ;o) Vielleicht ändert sich das ja irgendwann mal – denn ich habe fest versprochen, nach Taiwan zu kommen, sobald ich genug Geld fürs Flugticket habe. Mandarin lernen ist also angesagt. „Hallo“ und „Danke“ kann ich schon.
So, und hier eines seiner Musikvideos als kleine Hörprobe (Schwertkampf und Handy-Schleichwerbung inklusive!):
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Einen Spitzhut habe ich nicht getragen und auch den Hexenkessel hab ich daheim gelassen, aber da war ich trotzdem. Ich glaube, auch nur darauf kommt es an – Stonehenge einmal gesehen zu haben. Eigentlich kann man den Steinkreis auch schon von einer der beiden Hauptverkehrsstraßen sehen, die direkt dran vorbeiführen: Links Stonehenge, rechts viele Schafe und ein kleiner Container, in dem man Postkarten kaufen kann (aber keine mit Blitzen oder Druiden…). Ich dachte, man müsse erst zwei Stunden durch einen Zauberwald wandern und ein Rätsel lösen oder so. Aber nein: Busparkplatz, Unterführung mit buntem Licht und schon ist man da, im mystischen Druidenmekka. Und alte bärtige Männer, die einem alles erzählen, gibt’s auch nicht. Dafür aber eine Audiotour, bei der man mit tragbaren Telefonen am Ohr drumherum laufen kann und echt blöd dabei aussieht. Vor allem, wenn einem keltische Dudelmusik ins Ohr plärrt und die Erzählerstimme davon berichtet, dass manch einer glaubt, die Aliens oder der Teufel persönlich hätten Stonehenge gebaut. Die Steine kommen zwar aus Wales, nicht vom Mars oder der Hölle – und da sind die Waliser mächtig stolz drauf – aber das scheint die New Age Freunde nicht zu irritieren. Die dürfen da übrigens auch nicht mehr hin, nicht zum Beten und Musizieren oder Tanzen. Nur der englische Druidenverband kann dort zur alljährlichen Sommersonnenwende ein bisschen feiern und da muss man angeblich mal dabei sein, sagt Lauren. Dann kann man die Steine nämlich auch anfassen und den eingezäunten Fußweg verlassen. Und vielleicht tanze ich dann im Juni mit den englischen Miraculixen zum Sonnenaufgang um Stonehenge, das behalte ich mal im Kopf.
Anschließend ging’s nach Salisbury (nicht zu verwechseln mit der Supermarktkette Sainsbury, das mache ich gerne), also dem mittelalterlichen Sarum in Südengland. Da Markttag war, sind Yung-Lan und ich ein bisschen über den Markt gebummelt (Gemüse, Blumen, türkische Süßigkeiten, Knöpfe, Wolle, Autofelgen) und schließlich in der Kathedrale gelandet. Dort haben wir den halben Tag verbracht, was teilweise an unserem Führer Hugh lag. Der war ungefähr 90 Jahre alt und ich hatte immer Angst, dass er beim nächsten Schritt tot umfällt. Aber er hat sich tapfer gehalten und eine ganze, ganze Menge nützlicher und unnützer Informationen parat gehabt. Die Orgel hat mit ungefähr 3000 Pfeifen die meisten auf der Welt – nur eine in den USA hat mehr, weil dort für jeden toten Soldaten eine mehr aufgestellt wird, das gilt also nicht. Der Turm ist schief, weil die Architekten damals ein paar Hölzchen vergessen haben und die neuen Mitglieder des Knabenchors werden zum Einstand nach dem ersten Konzert mit dem Kopf auf einen Stein gehauen. So viel neu gewonnenes Wissen an einem Tag – das hat unser Studiengang abends dann erst einmal mit einem Pub-Crawl im heimischen Cardiff gefeiert.
So, und um zum Abschluss mein außerordentliches technisches Verständnis zu demonstrieren („Wow, mein [fünf Jahre alter] Fotoapparat kann ja tatsächlich filmen!“), hier noch ein kleines Video, dass ich in Stonehenge aufgenommen habe:
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Jedenfalls die Inder, Chinesen und Afrikaner. Die sind nämlich heute Nacht um Vier – pünktlich zum ersten Schneefall – aufgestanden, sind draußen auf der Straße rumgehüpft und haben freudige Lieder gesungen. Hätte ich einen Schneeball gehabt, ich hätte ihn ihnen an den Kopf geworfen, denn ich war dann erst mal wach. Ein ehrwürdiger Tag war das allemal, denn gut die Hälfte meines Kurses hat heute zum ersten Mal im Leben Schnee gesehen. Der Unterricht hat dann auch eine halbe Stunde später angefangen, weil sich alle draußen vor dem Unigebäude mit dem Schneemann fotografieren lassen wollten, den jemand gebaut hatte. Da kann Stonehenge einpacken, würde ich sagen. Auch die Briten sind landesweit ausgeflippt und haben so getan, als wären fünf Zentimeter Schnee (rechts der Blick aus unserer Küche) der sichere Untergang der Insel. Der Verkehr ist zusammengebrochen (ich glaube, Streufahrzeuge gibt’s hier nicht), fast alle Schulen hatten dicht und BBC hat im Minutentakt Warnungen rausgegeben, man solle nur rausgehen wenn unbedingt nötig. Ich konnte nur mit dem Kopf schütteln, zumal am Nachmittag schon fast alles weggetaut war. Die Kanadier waren übrigens auch eher unbeeindruckt.
Ich bin im Besitz von zwei großen Tellern, zwei kleinen, zwei Tassen und Gläsern und jeweils zwei Besteckstücken. Außerdem habe ich eine Pfanne und den Wender dazu. Das war’s. Okay, die Mädels haben noch ein paar Töpfe, zwei Plastikschüsseln, einen Wasserkocher (der gestern kaputt gegegangen ist) und so ein Dampf-Dünst-Teil. Obwohl ich ja keine Küchenqueen bin, habe ich gestern mal wieder gemerkt, dass es doch ein Luxus ist, eine ordentliche Koch- und Backausrüstung zu haben. Okay, wenigstens einen Schneebesen. Den hatte ich nicht, einen elektrischen Handrührer schon gar nicht. Aber ich wollte unbedingt Tiramisu machen. Nach einer halben Stunde rühren und quirlen habe ich dann gemerkt, dass es echt eine bescheuerte Idee ist, mit einem Teesieb (!) Eiweiß zu Schnee schlagen zu wollen. Naja, nachdem ich in dieser Zeit fast alle Löffelbiskuits aufgefressen und die halbe Flasche Amaretto so getrunken habe, habe ich mir eingebildet, dass mein Eiermatsch jetzt Schnee ist. Zum Schluss war mir so schlecht, dass ich das Tiramisu an die Mädels verteilt habe, weil ich es selbst nicht mehr sehen konnte. So viel dazu.
So halte ich mich zurzeit ein bisschen von der Arbeit ab. Die erste Woche Uni habe ich gut überstanden und ich bin auch wieder motivierter, was die Arbeit angeht. Montag ist die nächste Deadline, das Wochenende wird also nicht sonderlich ereignisreich. In zwei Wochen richten wir eine große Pressekonferenz aus, in der wir den Leuten ein Konzept vorstellen, wie man acht- bis 16-jährige Chinesen vom Rauchen abhalten kann. Allerdings ist das eher ein uniinterner Wettbewerb, wer wen platt macht: die PRler die Journalisten oder andersherum. Bisher haben immer wir gewonnen, also soll das auch dieses Mal so bleiben ;o) Second Life läuft jetzt auch perfekt, nachdem ich die Security-Jungs tagelang abgenervt habe. Und die beste Nachricht der Woche: Ich fahre nächste Woche Samstag doch nach Stonehenge und Salisbury. Zwei Leute haben abgesagt, also machen Yung-Lan und ich die Steinhaufen unsicher und suchen nach den schrecklichsten Postkarten überhaupt (Blitzgewitter im Hintergrund, sehr beliebt).





