Gespeichert unter: Leben

Der Frühling ist endlich da. Der Heuschnupfen zwar auch, aber das macht nichts. Gänseblümchen wachsen vor meinem Fenster und Tulpen vor der City Hall. Heute bin ich ganz cool mit Sonnenbrille in die Uni gelaufen – naja, die hätte es zwar noch nicht gebraucht, aber dafür fühlt es sich gut an. Und obwohl das Lexikon der bedrohten Wörter sagt, dass es das Wort „Übergangsjäckchen“ eigentlich nicht mehr gibt, habe ich eben jenes heute aus dem Schrank geholt und den dicken Wintermantel drin gelassen. Morgen geht’s nach Brüssel und ich hoffe, dass uns das gute Wetter folgt. Dann gibt’s hier Ende der Woche ein paar schöne Fotos – und hoffentlich nicht nur von gläsernen Gängen der Europäischen Kommission.
Unglaublich, dass man mit fischförmigen Kornkreisen einen Pitch gewinnen kann. Wenn einem nach zwei Stunden Brainstorming und drei Meetings nichts Kreatives mehr einfällt, wie man am besten Aufmerksamkeit für Thunfisch generiert, kann ein anschließender Cocktailabend recht hilfreich sein. Da wir ohnehin nichts mehr zu verlieren hatten, hat sich unser Team also nach der dritten Margarita auf fischförmige Kornkreise geeinigt. Die kommen von den Aliens vom Planeten Omega (wegen Omega 3-Säuren im Thunfisch) und fliegen nachts mit Fisch-Heißluftballons herum, die aussehen wie Ufos. Die Ideen konnten wir zwar nicht ganz ohne Lächeln präsentieren, aber tatsächlich haben wir gestern erfahren, dass wir den Pitch gewonnen haben. Wir müssen uns aber nicht weiterhin mit Thunfisch herumschlagen – zum Glück war’s nur eine Übung.
Und hier noch ein paar Jungs, die auch aussehen, als kämen sie gerade vom Planeten Omega: Expensive Soul. Whitney und ich gehen ja jetzt jeden Sonntag zum HipHop – neuerdings sogar für eine Doppelstunde. Und da der Trainer Portugiese ist, gibt’s also des Öfteren auch portugiesischen HipHop, hier der Song „13 Mulheres“:
Gespeichert unter: Leben
…vor allem gegen die Engländer! Die kriegen hier morgen nämlich ganz schön aufs Dach. Einmal von ihren besonderen Freunden, den Iren – denn morgen ist St. Patrick’s Day und auch hier wird haufenweise Guinness getrunken und auf die bloody English Bastards geschimpft. Und zum Zweiten von den Walisern. Die hatten ihren Nationalfeiertag, den St. David’s Day am 1. März, zwar schon, aber dafür machen sie morgen hoffentlich England im Rugby platt. Wer also nicht so sehr am Leben hängt, der stellt sich hier morgen wahlweise in die Fußgängerzone oder in einen Pub und verkündet seine Sympathie mit England. Wer es aber doch tut, der sollte sich nur mit Rüstung vor die Tür wagen – am besten in grün (Irland) oder rot (Wales). Dumm, dass mein Irland-Hut in Deutschland liegt. Genau wie mein Auto. Denn sonst hätte mir so einen Aufkleber kaufen können: „Ich bremse für alle, nur nicht für Engländer!“
Endlich mal wieder runter von der Insel – wenn auch nur ein paar Tage. Ende März geht’s mit einer walisischen Studenten- und Journalisten-Delegation für ein paar Tage nach Brüssel, zur Europäischen Kommission. Nein, das soll keine Möglichkeit sein, belgisches Bier und belgische Schokoladen in Massen zu sich zu nehmen (sagte man uns), sondern eine kleine Forschungsreise. Politiker treffen, die internationale, tägliche 12 Uhr-Pressekonferenz besuchen, viel Zeug schwätzen, Kontakte knüpfen – und vielleicht doch das ein oder andere Kirschbier trinken? Zuvor gab’s am Mittwoch einen vierstündigen Crash-Kurs in europäischer Politik im Wales-Büro der Kommission, einen dicken Stapel Lese- und Lernstoff für daheim und blöde Sprüche von den Journalismus-Studenten („Wie, was wollt Ihr PRler denn hier?“ oder „Die dunkle Seite naht…“). Ja, auch wir (wie sind ohnehin nur zwei) dürfen uns über politische und interkulturelle Kommunikation fortbilden.
Und ja, heute scheint sogar in Cardiff mal die Sonne und der Frühling lässt sich blicken. Fleur hat unsere Küche mit Osterglocken und anderem Blühkram zugepflanzt – da sieht’s jetzt jetzt aus wie im Dschungel. Und Wahnsinn, was man alles sieht, wenn man mal die Fenster putzt! Was allerdings ein riskantes Unterfangen ist, wenn es nur etwa zehn Zentimeter aufklappbar ist und man sich akrobatisch raushängen und fast den Arm brechen muss. Zwischenzeitlich wollte ich es einfach mit meiner neu erworbenen EU-Verfassung einschlagen – die gibt nämlich eine gute Nahkampfwaffe ab.
Gespeichert unter: Leben
…der Mond schien helle. Oder so ähnlich. Das verwackelte Etwas rechts ist jedenfalls die Mondfinsternis, betrachtet aus meinem Zimmer in Cardiff. Da haben für die Stimmung nur noch die Fledermäuse gefehlt – ich hatte Möwen, auch gut. Sonst ist hier alles beim Alten: Spontane Wolkenbrüche und überflutete Straßen (Regenschirm-Bodycount für diese Woche: zwei), haufenweise Arbeit (nahende Deadlines: drei) und Muskelkater vom HipHop-Kurs (gefühltes Alter: 60).




