Gespeichert unter: Leben

Heute haben sie im Radio erzählt, dass man die Horoskope für alle Sternzeichen lesen und sich zum Schluss das aussuchen soll, das einem am besten gefällt. Das glaube ich aufs Wort, denn mein Waage-Jahreshoroskop bei Sat1.de sagt, ich soll im Jahr der „Vernunft und Besonnenheit“ auf meine schlanke Linie achten. Das passt nicht so. Aber es sagt auch, ich soll mehr emotionale Offenheit zeigen und im Beruf fleißiger sein. Och, ich weiß nicht. Vogue sagt, ich soll Yoga machen. Mpf. Da nehm ich lieber das Löwe-Horoskop von Elle, da gibt’s mehr Geld. Und vom Widder nehm ich die kreativen Ideen, die einen endlich das Buch schreiben lassen, das man schon seit Jahren schreiben wollte. In Sachen Liebe hätte ich dann gerne Schütze, aber nur das erste Jahresviertel, dann geht’s auch wieder bergab. Bloß nichts vom Skorpion, da steht Familienplanung auf dem Programm. Und zum Schluss eine weise Voraussicht aus dem Zwillinge-Horoskop: „Im neuen Jahr wird alles anders“. Der Glücksklee erledigt dann hoffentlich den Rest. Prost Neujahr!
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Das nenne ich mal eine Krippe: der Sohn Gottes, eine Flasche. Anbetungswürdig und ganz und gar irdisch – ich frage mich nur, wie Maria das hinbekommen hat, aber das fragen sich kritische Christen ja schon Jahrhunderte lang. Nicht-Christen leugnen das besser gleich. Übrigens darf ich das jetzt sagen, weil ich aus der Kirche ausgetreten bin. Und auch die Rosen Rosen mit ihrem Weihnachtsalbum hören, passt sogar zum Bild: „Da liegen wir knallbreit auf Heu und auf Stroh // Maria und Josef betrachten uns froh // Die dämlichen Hirten knien betend davor // Hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor“.
Die Krippe steht übrigens genauso in einem Schaufenster in der Portobello Road – eine der vielen Stationen vom Wochenende. Und weil ich beweisen wollte, dass ich nun auch ein bisschen mehr von London gesehen habe, als den Bahnhof, gibt’s auch einen Schwung neue Fotos. Ich habe auch die zweite englische Weihnachtsparty überstanden: Bei meinen Vermietern, in einem Haus voller Opernsänger und Cellisten. Nur der als typisch englisch angepriesene „Mulled Wine“ hat sich letztendlich als deutscher Christkindl-Glühwein entpuppt, von Lidl mit viel Liebe in Flaschen abgefüllt – deswegen hat er auch so gut geschmeckt. Und wer meine Bowle kennt, weiß, dass sie in Wahrheit Aldi-Sangria mit Tiefkühlobst ist.

Ich dachte, an dieser Stelle könnte ich einmal über die britische Nachrichtenlage plaudern – weil gerade sonst nichts Aufregendes in meinem Leben passiert und wahrscheinlich jeder, der das hier liest, selbst weiß, was so in der Tagesschau läuft. Ich zum Glück auch. Aber das ist ja nicht halb so spektakulär, wie das, was heute Abend das londonpaper so schreibt.
An erster Stelle natürlich: Led Zeppelin! Das war ja fast klar. Die haben nämlich gestern Abend hier ihr erstes Konzert seit der Bandauflösung gegeben. Kate Moss war auch da, die war heute morgen auf dem Titel. Heut Abend dagegen Robert Plant. Und der Reporter erzählt von alten Männern (im Publikum), die weinend auf die Knie gefallen sind und sich gefreut haben, dass nun glücklich sterben können.
Sonst wie schon seit Tagen: Der tot geglaubte Kanufahrer und seine Frau („Canoeist Wife“ oder wahlweise auch „Canoe Wife“). Die gehen mir schon langsam auf den Senkel, total langweilig. Dann schon lieber Amy Winehouse. Von ihr gibt es tagtäglich neue Fotos, meistens am Kiosk, wie sie Eis am Steil kauft. Ach, und natürlich Britney Spears. Die hat gestern ein Feuerzeug an einer Tankstelle in Hollywood gegeklaut. Und bis heute morgen noch nicht wieder zurückgegeben. Dazwischen immer ein bisschen Mord und Totschlag und der Lotto-Jackpot mit lächerlichen zwei Millionen Pfund! Außerdem: McDonalds verklagt Kunden, die Fastfood zu langsam essen. Und heute ganz exklusiv: „Video: See Posh Spice Smile!“

…war das Motto der Firmenweihnachtsparty gestern Abend – meiner allerersten Weihnachtsparty in Großbritannien. Denn das ist hier etwas ganz Besonderes, vielleicht am ehesten vergleichbar mit Fasching bei uns. Man zieht sich schick oder auch lächerlich an, wahlweise mit Papierkrone, Papphütchen oder Tröte, trinkt viel und feiert lang. Während auf den Weihnachtsfeiern, auf denen ich bisher in Deutschland war, jeder sein Essen selbst bezahlt und dann heimgeht, wird hier gleich ein ganzer Club gemietet, 50 Kollegen aus Brüssel eingeflogen und statt Essen gibt’s Schampus. Find ich gut.
Aus meinen Knallbonbons ist ein Spitzer geflogen und ein Puzzle mit einem Schneemann. Sonst fliegen da auch Witze raus, aber ich glaube, meiner ist entweder bei der Explosion kaputt gegangen oder beim Nachbarn im Cocktailglas gelandet. Also kenne ich immer noch keinen guten Christmas Cracker Joke – wir sollten nämlich in einem Fragebogen unseren Lieblingswitz nennen und ich finde alle gleich blöd. Dafür konnte ich sagen, was die ersten drei Dinge auf meiner Wunschliste sind: eine Playstation 3, einen Seat Leon Turbo Diesel und Weltfrieden. Ich dachte, das sei lustig, bis ich bei ein paar anderen gelesen habe, dass sie sich auch Weltfrieden wünschen. Bei denen war es aber ernst gemeint. Da war auch mein Witz futsch.
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So, jetzt verbreite ich hier mal ein bisschen Weihnachtsstimmung! Schließlich plärrt mir hier schon seit Wochen in jedem Laden die „Christmas Classics Vol. 56″ entgegen. Und heute ist auch der erste Advent. Übrigens ist die Weihnachtsbeleuchtung auf der Oxford Street ziemlich armselig, dagegen ist ja die Frankfurter Straße in Kelkheim der Nürnberger Weihnachtsmarkt. Trotzdem habe ich mir den ersten Adventskalender seit Jahren gekauft. Aber auch nur, weil der Schneemann drauf war. Den Zeichentrickfilm habe ich früher geliebt, obwohl er so traurig ist. Und „The Snowman“ ist hier ein ziemlicher Renner – immernoch, seit den Achtzigern. Ich hatte schon fast wieder vergessen, dass der Film existiert, bis ich das Titellied letztes Jahr in Cardiff gehört habe. Zum Glück gibt’s ja YouTube, deswegen hier ein kleiner Ausschnitt. So viel schöner als „Last Christmas“ zum dreimillionsten Mal. Auch für Weihnachtshasser. Übrigens freue ich mich in diesem Jahr das erste Mal auf Weihnachten. Da geht’s nämlich für eine Woche heim.




