Faleiry


Mit der Leinwand durch Greenwich
27. Januar 2008, 16:23
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Zum Glück nicht mit dem Kühlschrank durch Irland. Gestern war ich bei schönstem Sonnenschein in Greenwich unterwegs. Irgendwie sind alle Stadtteile Londons kleine Städtchen und total verschieden. In Greenwich steht ein Willkommensschild am Bahnhof, alles ist sauber und die Leute sind freundlicher als anderswo. Ich bin über alle drei Kunsthandwerksmärkte geschlendert und hätte fast einen antiken, dunklen Massivholztisch mit Eisenbeschlägen gekauft – hätte ich ein Auto, genug Geld und Platz dafür gehabt. So habe ich eben einen Kerzenständer erstanden, besser als nichts. Und eine große Leinwand, wil ich mir in den Kopf gesetzt habe, wieder mit dem Malen anzufangen. Die habe ich dann eine halbe Stunde einen steilen Hügel hochgeschleppt, weil ich mir auch in den Kopf gesetzt hatte, dass man in Greenwich die Meridian-Linie sehen muss, wenn man schon mal da ist. Da stand nur dummerweise gerade eine spanische Schulklasse drauf. Also hab ich meine Leinwand wieder runtergetragen, wobei sie mir vom Sturm ein paar Mal in die Pampa geweht wurde. Wenigstens habe ich sie schon benutzt und bin jetzt fleißig am Pinseln: schwarzer Baum auf rotem Grund. Sieht bis jetzt gar nicht so blöd aus. Nur dass mir gestern um Mitternacht die rote Farbe und der Wein ausgegangen ist. Zum Glück haben hier sonntags die Geschäfte auf.



Ein Abend mit den Wise Guys
26. Januar 2008, 00:51
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Gerade komme ich von meinem zweiten Konzert in London – nein, diesmal kein Underground-Indie-Rock, sondern deutsche A Capella von den Wise Guys. Drei Abende in Folge sind die fünf Kölner in London, und heute Abend waren sie im Club „The Halo“, irgendwo im südlichen Nirgendwo. Das Ticket war ein Weihnachtsgeschenk, und wider Erwarten musste ich nicht alleine gehen: Meine Kollegin Magdalena, in Bonn aufgewachsen, hat mich begleitet. Jetzt haben wir beide Muskelkater im Gesicht. Ich habe noch nicht so viel gelacht und gejubelt, seit ich hier in London bin. Eine meiner Lieblingszeilen aus „Schiller“, gesungen zu Michael Jacksons „Thriller“: „Jeder Schleimer, der scheinbar in Weimar zwei, drei Mal dabei war, gilt heut als Klassiker pur, als Leitkultur“.

Außerdem war es angenehm, so viele Deutsche um sich zu haben. Von den etwa 100 Gästen waren etwa 90 Prozent Deutsche und sahen auch einfach so aus. Ganz normal eben, nicht so London-cool und hip, Bündchenpullis en masse, aber eben irgendwie total deutsch. Die Kollegen von der ARD und SWR waren auch da und es gab Würstchen und Senfbrötchen für vier Pfund. Bis auf die Preise fühlt man sich da fast wie zu Hause.



„New Year – No Excuses“
21. Januar 2008, 22:32
Gespeichert unter: Gesundheit, Leben

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Das sagt zumindest das Plakat des Studios „Fitness First“. Mein Vorsatz stammt zwar noch aus dem alten Jahr, aber immerhin habe ich es jetzt geschafft: Endlich wieder mit dem Tanzen anzufangen. Das letzte Mal echte sportliche Betätigung liegt bestimmt schon sechs Monate zurück und bisher war ich einfach zu faul, nach einem langen Arbeitstag auch noch ins Fitnessstudio zu rennen und dort mit 100 anderen Hamstern auf einem Laufband um die Wetter nicht vom Fleck zu kommen. Irgendwann bin auf dem Weg von Covent Garden zu Charing Cross doch einmal in den nächstbesten Laden gestolpert und hab nach Kursen gefragt. Und heute habe ich tatsächlich angefangen. Ab sofort gehe ich jeden Montagabend zum Street Dance – und habe heute zu Rihannas „Umbrella“ und „Don’t Stop The Music“getanzt. Morgen kann ich mich bestimmt nicht mehr bewegen, dafür hat es heute einfach nur gut getan. Die Trainerin ist auch total süß – zwar nicht so anspruchsvoll wie der Unterricht in Cardiff, aber immerhin. Ich hab mich aufgerafft und bin stolz darauf. Und ich kann’s noch (ein bisschen).



Wählen gehen!
20. Januar 2008, 14:40
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Ich kann diesen Kerl einfach nicht mehr ertragen. Er macht mich krank mit seiner rücksichtslosen Ausländerhetze, seiner rechten Propaganda und wie er die Angst der Menschen zu Wahlkampfzwecken so offensichtlich und dreist missbraucht. Ja genau: Roland Koch. Deswegen sind meine Stimmzettel auch auf dem Weg nach Deutschland, ich hoffe, die Post ist schnell genug, um sie pünktlich in Hessen abzuliefern. Und ich hoffe, meine Stimme ist einer der vielen kleinen Nägel, die nächsten Sonntag in seinen politischen Sarg gehämmert werden. So! Das war das Wort zum Sonntag.



Armer Patient
16. Januar 2008, 22:20
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Okay, ich habe ja schon so oft gehört, wie schlecht das englische Gesundheitssystem sein soll – also der National Health Service (NHS). Aber heute habe ich es zum ersten Mal selbst erfahren und ich kann sagen: Es ist noch viel schlechter. Miserabel, unsäglich. Am Montag habe ich zwei Stunden gebraucht, um mich überhaupt bei einem Arzt zu registrieren. Den darf man sich nur beschränkt aussuchen, denn man muss zu einem Arzt gehen, der in der Nähe des eigenen Wohnorts ist. Und wenn man die Adresse des vorigen Artzes nicht hat (so wie ich), muss man wieder heim gehen und sie im Internet nachsehen. Das liegt nicht im Zuständigkeitsbereich der Arzthelferinnen. Erst dann bekommt man einen Termin. Bei einem Notfall auch erst zwei Tage später. Mein Notfall waren anhaltende Magenschmerzen. Das interessiert aber keinen, Hauptsache, man füllt die Zettel aus, auch wenn man schon halb auf dem Tresen hängt.

Heute hatte ich also einen Termin. Bei einem französischen Arzt, der entweder Deutsche nicht ausstehen kann oder aber immer so unverschämt ist. Die Untersuchung bestand darin, mich zu bitten, den Mantel auszuziehen, um dann festzustellen, dass ich nicht übergewichtig bin. Daraus schloss er, dass ich einen Virus habe (nein, habe ich nicht), den er dann wiederum googelte und mir den erstbesten Treffer ausdruckte. Den Teil über Magenkrebs solle ich doch einfach ignorieren. Eine Überweisung weigerte er sich auszustellen, stattdessen sollte ich einen Bluttest machen, der drei Wochen dauert. Wo der stattfindet, könne ich auf einem Zettel nachlesen. Übrigens sei er nicht anzusprechen, während er am Computer meine Kontaktdaten eintippte. Da war ich kurz davor, ihm seine Google-Zettel mit Gewalt in den Rachen zu schieben, und bin gegangen.

Zum Glück habe ich dann im städtischen Krankenhaus (nach dreieinhalb Stunden warten) einen netteren Doktor getroffen, der mich tatsächlich untersucht und mir Medikamente verschrieben hat. Ich werde mich nie wieder über das deutsche Gesundheitssystem beschweren, das kann ich sagen. Und auch nicht über die DAK. Das hier ist wirklich wie in einem Entwicklungsland. Meine französische Kollegin Aude war ganz beschämt, als ich ihr davon erzählt habe. Sie sagte, der Arzt war sicher zu schlecht, um in Frankreich zu arbeiten, deswegen ist er nach Großbritannien gezogen. Im Krankenhaus hing übrigens ein Poster mit einer Warnung, dass jegliche Beleidigungen und Übergriffe auf das Personal strafrechtlich verfolgt werden – das hängt sicher nicht ohne Grund da und nach heute weiß ich auch, weshalb.



Gereizt?
14. Januar 2008, 22:52
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Wie war das nochmal mit Aggressionsbewältigung im Alltag? Nicht-Autofahren ist zwar nicht besonders förderlich für die innere Balance, Nichtrauchen aber noch viel weniger:

Da frag mich noch mal einer, weshalb ich nicht aufhöre. Das könnte ich nicht verantworten, der körperlichen Unversehrtheit meiner Mitmenschen wegen.



Vorsicht Grabsteinschlag
12. Januar 2008, 21:36
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Heute Morgen habe ich es doch tatsächlich geschafft – denn samstags fahren die Züge nach Nunhead. Die Führungen über den gleichnamigen Friedhof finden zwar sonntags statt, aber ich habe mich auch so nur geringfügig verlaufen. Nunhead Cemetery ist einer der schönsten viktorianischen Friedhöfe in London, ziemlich zugewuchert, aber genau das macht ihn so schön – und ein bisschen geheimnisvoll. Viele Grabsteine sind abgesackt, schief oder von Baumwurzeln einfach zur Seite geschoben worden. Deswegen stehen auch überall Schilder: Warnung vor umfallenden Grabsteinen, Grabsteinschlag, oder so ähnlich. Außer mir waren noch ein paar Fotografen und Hunde unterwegs, das war’s aber schon. Zum Filmen braucht man eine Genehmigung. Übrigens sucht der Verein „Friends of Nunhead Cemetery“ Freiwillige, die die Steine sichern, wieder aufeinanderstapeln und ein paar „Gruben ausheben“…



Unnütze Vokabeln: Teil 1
8. Januar 2008, 21:07
Gespeichert unter: Unnütze Vokabeln

Meez 3D avatar avatars gamesIch dachte, es wäre doch ganz nett, unnütze englische Vokabeln mit Euch zu teilen. Immer wieder begegnen mir Wörter, die man sich eigentlich nie merkt, weil man sie nie gebraucht. Also schreibe ich sie doch in Zukunft lieber mal auf.

Heute: „Starjump“. Was der Amerikaner als „Jumping Jack“ bezeichnet, nennt der Engländer „Starjump“. Und das bedeutet Hampelmann – genau diese nervige Turnübung, die man immer in der Schule machen musste und die der Avatar links so enthusiastisch vorführt. Wurde uns gestern im Büro vorgeschlagen, weil der Konferenzraum so kalt war. Ich dachte erst, ich solle aus dem Fenster springen. Gut, dass ich nochmal nachgefragt habe.



Ab ins Koch’sche Erziehungscamp?
6. Januar 2008, 17:55
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Wohin mit seinen Aggressionen, wenn man nicht Autofahren kann? Ich finde, Autofahren ist ein richtig gutes Ventil, um Aggressionen loszuwerden. Nicht durch Rasen, denn das ist ja mit einem 45 PS starken Corsa ohnehin nicht drin, sondern weil man ungehindert Menschen beschimpfen und dabei laute Musik hören kann. Als ich vor einigen Jahren den Wunsch aussprach, ich hätte gerne ein Maschinengewehr an meinem Kühler, das ich während der Fahrt per Knopfdruck bedienen kann, wurde mir nahe gelegt, ich solle mir eher einen Valium-Dispenser ins Amaturenbrett einbauen lassen.

Nun, da ja mein Auto in Deutschland ist, feht mir dieses Ventil. Ich glaube, das ist der Grund weshalb ich auf der Arbeit regelmäßig aus Versehen Stifte zerbreche und hin und wieder mit der Tinte meinen Schreibtisch (und den meiner Kollegen) versaue. Gerade heute habe ich wieder gemerkt habe, dass kein Auto zu haben, wirklich nervtötend ist. Ich wollte auf dem Nunhead Friedhof Fotos machen und musste feststellen, dass dort sonntags kein Zug hinfährt. Leute anschreien hilft da, aber das kann man ja so schlecht, wenn kein Glas dazwischen ist. Deswegen muss ich mehr Playstation spielen, um meine Mitmenschen vor meinen Aggressionen zu bewahren. Und zwar am liebsten God of War 2 (siehe Trailer unten – gerade habe ich Ikarus die Flügel ausgerissen!). Das ist doch eine sehr vernünftige Rechtfertigung, weshalb ich fast das ganze Wochenende gammelnd und metzelnd daheim verbracht habe. Oder klingt das eher nach einem Fall fürs Koch’sche Erziehungscamp?



Und täglich grüßt der Holzkopf
2. Januar 2008, 20:36
Gespeichert unter: Leben, London

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Genauso fühle ich mich jeden Morgen, wenn ich total verstrahlt am Bahnhof an diesem Plakat vorbeiwandle. Und weil’s auch noch im neuen Jahr da hängt, hab ich’s heute mal fotografiert. Heute hab ich wieder gearbeitet, gestern Abend bin ich zurück nach London geflogen. So einfach war es nicht, hier gestern wieder richtig anzukommen. Irgendwie ist Deutschland doch ganz nett und London dagegen ziemlich unattraktiv. Erst wollte ich das Foto von der U-Bahn veröffentlich, die nach „Morden“ fährt. Hätte ich gestern auch beinahe getan, als ich hier angekommen bin und mich mit meinem Koffer zwei Stunden durch ätzende Menschenmassen geschlagen habe. Immerhin bin ich heute Morgen pünktlich aufgewacht. Und hab dann 20 Minuten in der Schlange gestanden, um meine Monatskarte zu kaufen, weil jeder heute seine Monatskarte gekauft hat. Morgen soll’s schneien, vielleicht sogar mehr als ein Zentimeter und dann bricht hier wieder Leben und Verkehr zusammen. Nicht mal die U-Bahnen (!) fahren dann. Die Weltmetropole London, lahmgelegt von ein paar Flocken, die geschmolzen sind, ehe sie auch nur den Boden berühren. Da freu ich mich drauf. Ob man mir anmerkt, dass ich einen gewissen Unmut gegen diese Stadt hege? Hehe.