Faleiry ist auf Durchreise und planlos wie immer: Seit drei Tagen bin ich wieder Frankfurt, war zwischendrin schon zwei Tage in Berlin, und habe noch nicht mal richtig ausgepackt. Muss ich auch nicht, denn jetzt geht’s erst mal nach Bayern, aufs Kaltenberger Ritterturnier. Mal gucken, ob ich zurückkomme – vielleicht schließe ich mich auch einfach irgendeiner osteuropäischen Schaustellergruppe an. Hier ist noch ein kleiner Eindruck des Festivals, Corvus Corax inklusive. Bis bald!
Wow, diese Woche hat mich echt umgehauen. Graduation in Cardiff am Dienstag und Mittwoch, drei Abschiedsfeiern mit Kollegen und Freunden am Donnerstag, Freitag und Samstag – und heute Packen. Dazwischen jede Menge Papierkrieg und Umzugsvorbereitungen. Deswegen bin ich jetzt emotional leicht angespannt. Mein Zimmer ist fast leer, die Wände weiß, die Löcher zu (Tipp Ex macht’s möglich), das Bier im Kühlschrank geht auch dem Ende zu und in der Küche steht der neue Totenkopf-Toaster. Und ich gehe erst mal in Kur, habe ich beschlossen, in die Betty Ford Klinik vielleicht, wenn die noch ein Plätzchen frei haben. Aber fangen wir mal von vorne an…
Dienstag habe ich meine Eltern an der Paddington Station getroffen und wir sind mit dem Zug nach Cardiff gebraust – bis die Bremsen kaputt gegangen sind. Die Duchsage war in etwa so: „We are experiencing some issues with the brakes. We are now heading on to full speed in order to see whether they still work. Don’t panic. Sorry for any inconvenience this may cause.“ Letztendlich, nachdem wir den Zug wechseln mussten, haben wir es aber doch noch bis nach Wales geschafft. Dort ging’s ab ins gute alte Talybont-Wohnheim, sieben Quadratmeter, aber diesmal mit Schuhputzschwamm und Duschmütze mit Drachen drauf inklusive. Abends großes Wiedersehen im Woodville Pub, bis sie uns rausgeworfen haben. Ins Bett um halb drei, aufgestanden um sieben.
Mittwoch morgen um acht habe ich die Robe und das Hütchen abgeholt – mit etwa 20,000 anderen Studenten. Den Reservierungszettel habe ich natürlich vergessen, klasse. Taz hat ihre Eltern irgendwo zwischen Wohnheim und Students Union verloren, also war ich mit dem Zettel gar nicht so schlecht dran. Hat trotzdem alles geklappt. Um halb zehn Probedurchlauf in der St. David’s Hall, eine Stunde später ging es dann los. Noch eine Stunde später waren wir immer noch nicht dran, dafür sahen unsere Kapuzen schöner aus als von den kleinen Bachelor-Studenten, die vor uns die Hand geschüttelt bekommen haben. Obwohl wir ja gar nichts machen mussten, war ich aufgeregt. Natürlich denkt jeder, er fällt hin und letztendlich fällt niemand. Trotzdem aufregend – und nach etwa 10 Sekunden vorbei. Den Sekt anschließend hatten wir uns aber verdient!
Donnerstag und Freitag, zurück in London, zurück im Büro. Meine Eltern waren Donnerstag in der Stadt unterwegs, bei Harrods, Covent Garden und mit Jason’s Boat Trip hoch nach Camden. Abends habe ich meine Kollegen Aude und David ins Garlic & Shots ausgeführt, ich durfte mir den Ort ja aussuchen. Sie haben sich tapfer geschlagen, wohl doch etwas irritiert durch die Deko-Leiche und den Sarg-Tisch. Riesenspaß! Am Freitag dann noch mal Abschiedsfeier, diesmal mit allen aus dem Büro. Das ist mir richtig schwer gefallen – viele liebe Wünsche, wunderschöne Geschenke und eine berührende Rede. Nachdem ich mich etwas erholt hatte von der Emotionalität, sind wir dann noch ins Sway tanzen gegangen – ein Club direkt ums Eck. Diesmal war ich schon so um zwei daheim, und dummerweise um neun aus Gewohnheit aufgewacht.
Samstag habe ich dann erst einmal den Alarm im Büro ausgelöst, als ich meine Sachen abholen wollte. Dummerweise habe ich erst dran gedacht, dass man irgendeinen Code eintippen muss, als ich die Tür geöffnet hatte. Der Countdown war etwa 20 Sekunden und statt zu handeln, konnte nur gelähmt auf die Digitalanzeigen starren und die Zeit ticken sehen. Gut, dann war erst mal die Aufregung im Gebäude groß, aber zum Glück kam das Einsatzkommando nicht. Abends dann am Hoxton Square Abschiedsessen und Drinks mit Freunden. Im Bett um halb fünf, wach um acht. Wieder blöde Gewohnheit…
So, das war die Woche im Schnelldurchlauf, den Papierkrieg, die emotionale Achterbahnfahrt und die Logistik einmal außen vor gelassen. Jetzt bin ich erst einmal reif für die Insel – aber bitte eine, auf der es nicht den ganzen Juli 15 Grad hat und regnet.
Gespeichert unter: Leben, London, Musik | Schlagworte: Finsbury Park, Rise Festival

Nachdem ich gestern zum ersten Mal in einer der angesagtesten Londoner Metal-Kneipen, dem Garlic & Shots, war (schwedischer Death Metal, 101 verschiedene Vodka-Shots, sogar Knoblauch, inklusive Deko-Gerippe mit Black-Death-Vodka Flaschen in der Hand), stand heute das Kontrastprogramm auf dem Plan. Meine Mitbewohnerin Anne-Marie und ihre Freundin Gwen haben auf dem Rise Festival im Finsbury Park eine afrikanische Band begleitet. Und da ausnahmesweise einmal das Wetter mitgespielt hat, hab ich den ganzen Nachmittag im Park verbracht und Make-Love-Not-War-Musik gehört – die zweite Hälfte davon in der Backstage-Area. Der Unterschied bestand allerdings nur darin, dass die Schlangen vor den Toiletten nur halb so lang waren wie draußen – immerhin! Und die ganze Zeit habe ich einen Toaster mit herumgeschleppt, den die Security fast schon als Bombe identifizieren wollte. Er ist schwarz und brennt einem einen Totenkopf auf den Toast – fantastisch! Der ist eigentlich als Abschiedsgeschenk für die WG gedacht, und ich werde ihn wohl nur deswegen nicht behalten, weil ich Toast nicht ausstehen kann. Das Teil wäre es allerdings wert, auf Toast umzusteigen!
Gespeichert unter: Leben, Studieren | Schlagworte: Cardiff University, Graduation Ceremony, Webcast
Die Graduation Ceremony rückt näher: Nächsten Dienstag geht es mitsamt Eltern nach Cardiff, in mein altes Wohnheim in Talybont, so dass ich mich noch einmal wie ein armer Student fühlen kann. Am Dienstagabend feiern wir dann alle zusammen in unserem Stammpub, dem „Woody“ Woodville in Cathays. Mittwochmorgen muss ich um 8 Uhr morgens meine Robe abholen und um 9 Uhr zum Probedurchlauf in der St. David’s Hall auf der Matte stehen. Auf Facebook breitet sich schon die Panik aus, meine Ex-Kommilitonen – vor allem die von weiter weg – treffen Reisevorbereitungen, und ich wette, die Hälfte ist schon vorher irgendwo in London verlorengegangen. Die Mädchen sind besorgt, weil die Roben einen angeblich furchtbar fett aussehen lassen. Wer sich davon selbst überzeugen will, kann sich den Live-Webcast meiner Ceremony am Mittwoch, 16. Juli, ab 11:30 deutsche Zeit hier ansehen. Ich gehöre zur zweiten Gruppe Studenten, der Cardiff School of Journalism, Media and Cultural Studies. Vorher sind noch die Archäologen und Historiker dran. Also ein bisschen Geduld haben – viel Spaß! Ich hoffe, es funktioniert.
Dass dieses Land noch nicht abgesoffen ist, wundert mich wirklich. Es schüttet seit Tagen, wenn nicht Wochen, und der Juli ist mit 15 statt 12 Grad für britische Verhältnisse doch recht sommerlich warm. Den Heizofen im Büro habe ich wieder angeworfen, und Schal und Stiefel wieder aus dem Schrank geholt. Am Samstag war es mittags für zwei Stunden schön, deswegen sind wir aus dem Pub in den Park umgezogen. Kaum waren wir da, wurde der Himmel schwarz und ein düsterer Pub klang auf einmal doch ganz gemütlich.
Trübes Wetter, trübe Stimmung. Denn dieses Blog zieht in gut zwei Wochen, mitsamt seiner Autorin, einmal mehr um. Für eine kleine Weile nach Frankfurt, dann nach Berlin, oder München, oder zurück nach London? Taiwan soll auch ganz schön sein, habe ich gehört. Jedenfalls habe ich mich dazu entschlossen, The Big Smoke nach einem knappen Jahr und UK nach gut zwei Jahren erst einmal für eine Weile den Rücken zu kehren. Ob das die richtige Entscheidung war? Das frage ich mich immer. Ich weiß aber, dass ich so viel mitnehmen werde aus dieser Zeit, und ach…jetzt sollte ich aufhören „Nothing Else Matters“ von Apocalyptica auf Repeat zu hören.




