Wow, diese Woche hat mich echt umgehauen. Graduation in Cardiff am Dienstag und Mittwoch, drei Abschiedsfeiern mit Kollegen und Freunden am Donnerstag, Freitag und Samstag – und heute Packen. Dazwischen jede Menge Papierkrieg und Umzugsvorbereitungen. Deswegen bin ich jetzt emotional leicht angespannt. Mein Zimmer ist fast leer, die Wände weiß, die Löcher zu (Tipp Ex macht’s möglich), das Bier im Kühlschrank geht auch dem Ende zu und in der Küche steht der neue Totenkopf-Toaster. Und ich gehe erst mal in Kur, habe ich beschlossen, in die Betty Ford Klinik vielleicht, wenn die noch ein Plätzchen frei haben. Aber fangen wir mal von vorne an…
Dienstag habe ich meine Eltern an der Paddington Station getroffen und wir sind mit dem Zug nach Cardiff gebraust – bis die Bremsen kaputt gegangen sind. Die Duchsage war in etwa so: “We are experiencing some issues with the brakes. We are now heading on to full speed in order to see whether they still work. Don’t panic. Sorry for any inconvenience this may cause.” Letztendlich, nachdem wir den Zug wechseln mussten, haben wir es aber doch noch bis nach Wales geschafft. Dort ging’s ab ins gute alte Talybont-Wohnheim, sieben Quadratmeter, aber diesmal mit Schuhputzschwamm und Duschmütze mit Drachen drauf inklusive. Abends großes Wiedersehen im Woodville Pub, bis sie uns rausgeworfen haben. Ins Bett um halb drei, aufgestanden um sieben.
Mittwoch morgen um acht habe ich die Robe und das Hütchen abgeholt – mit etwa 20,000 anderen Studenten. Den Reservierungszettel habe ich natürlich vergessen, klasse. Taz hat ihre Eltern irgendwo zwischen Wohnheim und Students Union verloren, also war ich mit dem Zettel gar nicht so schlecht dran. Hat trotzdem alles geklappt. Um halb zehn Probedurchlauf in der St. David’s Hall, eine Stunde später ging es dann los. Noch eine Stunde später waren wir immer noch nicht dran, dafür sahen unsere Kapuzen schöner aus als von den kleinen Bachelor-Studenten, die vor uns die Hand geschüttelt bekommen haben. Obwohl wir ja gar nichts machen mussten, war ich aufgeregt. Natürlich denkt jeder, er fällt hin und letztendlich fällt niemand. Trotzdem aufregend – und nach etwa 10 Sekunden vorbei. Den Sekt anschließend hatten wir uns aber verdient!
Donnerstag und Freitag, zurück in London, zurück im Büro. Meine Eltern waren Donnerstag in der Stadt unterwegs, bei Harrods, Covent Garden und mit Jason’s Boat Trip hoch nach Camden. Abends habe ich meine Kollegen Aude und David ins Garlic & Shots ausgeführt, ich durfte mir den Ort ja aussuchen. Sie haben sich tapfer geschlagen, wohl doch etwas irritiert durch die Deko-Leiche und den Sarg-Tisch. Riesenspaß! Am Freitag dann noch mal Abschiedsfeier, diesmal mit allen aus dem Büro. Das ist mir richtig schwer gefallen – viele liebe Wünsche, wunderschöne Geschenke und eine berührende Rede. Nachdem ich mich etwas erholt hatte von der Emotionalität, sind wir dann noch ins Sway tanzen gegangen – ein Club direkt ums Eck. Diesmal war ich schon so um zwei daheim, und dummerweise um neun aus Gewohnheit aufgewacht.
Samstag habe ich dann erst einmal den Alarm im Büro ausgelöst, als ich meine Sachen abholen wollte. Dummerweise habe ich erst dran gedacht, dass man irgendeinen Code eintippen muss, als ich die Tür geöffnet hatte. Der Countdown war etwa 20 Sekunden und statt zu handeln, konnte nur gelähmt auf die Digitalanzeigen starren und die Zeit ticken sehen. Gut, dann war erst mal die Aufregung im Gebäude groß, aber zum Glück kam das Einsatzkommando nicht. Abends dann am Hoxton Square Abschiedsessen und Drinks mit Freunden. Im Bett um halb fünf, wach um acht. Wieder blöde Gewohnheit…
So, das war die Woche im Schnelldurchlauf, den Papierkrieg, die emotionale Achterbahnfahrt und die Logistik einmal außen vor gelassen. Jetzt bin ich erst einmal reif für die Insel – aber bitte eine, auf der es nicht den ganzen Juli 15 Grad hat und regnet.
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“konnte nur gelähmt auf die Digitalanzeigen starren und die Zeit ticken sehen” lol. aber die zugansage ist auch spitze. very britisch, haha.
Kommentar von 7an Juli 23, 2008 @ 1:44was es ist erst viertel vor 2 in england? krass. also da bin ich ja echt mal für die sommerzeit.
Kommentar von 7an Juli 23, 2008 @ 1:45