Na sowas, hatte ich den Titel „Tief im Osten“ doch schon einmal verwendet, und zwar vor einem knappen Jahr zu meinem Trip auf den Spitalfield Market in East London. Dieses Mal war ich allerdings im echten Osten unterwegs: Cottbus. Was treibt einen so tief ins Nirgendwo, so nah an die polnische Grenze, und eine Stunde über eine neu gemachte Autobahn, auf der nachts angeblich nur Schmugglerbanden unterwegs sind? Die Musik natürlich und ein Gig von Ortega, der Elektrorockband meines Kollegen Krispin, im Cotbusser Club „Bebel“. Gerade an der Location angekommen und durstig, hatte ich für eine Sekunde gedacht, der Laden hieße „Bembel“. Naja, fast. Die Reise war es jedenfalls Wert, toller Sound, erstklassige Band und die Motivation, die Jungs bald wieder zu sehen – dann hoffentlich in Berlin. Ist zwar nicht weniger Osten, aber fühlt sich trotzdem so an. Irgendwie vergisst man, dass Berlin zu Ostdeutschland gehört und wird nur manchmal daran erinnert. So fragte mich letztens eine Nachbarin im Hausflur: „Ach ja, Sie sind ja die junge Frau aus Westdeutschland, wa?“
Bin ich jetzt ein Spießer, weil ich mir einen Buchsbaum zulegt habe? Ist es eigentlich nicht total langweilig, über Balkonpflanzen zu schreiben? Ich könnte das Ganze ja ein wenig aufpeppen, indem ich erzähle, dass ich mit meinen Stiefmütterchen nach kreischenden Kindern auf der Straße geworfen habe (ohne Topf, versteht sich). Jedenfalls habe ich die ersten und bisher einzigen Sonnenstrahlen in Berlin dazu genutzt, am Wochende meinen Balkon auf Vordermann zu bringen.
Ich war ja noch nie in der Position, mich mit Balkongestaltung auseinandersetzen zu müssen, und irgendwie war das auch total gut so. Erstens hätte ich nie gedacht, dass Balkonmöbel wirklich so teuer und meist auch so hässlich sind. Und zweitens war der Run auf das 49-Euro-Angebot bei Ikea für einen Tisch und zwei Stühle auch echt nervig – vor allem weil ich zu spät war, auch nur überhaupt einen Klappstuhl abzubekommen, der nicht mal mehr im Angebot war. Jetzt habe ich zwar einen Tisch, aber sonst nichts. Ach so, und noch ein paar Stiefmütterchen und einen Buchsbaum, die der Wind schon zersägt hat. Naja, als Wurfgeschoss taugen sie allemal.
Außerdem war ich heute noch in der Wii Play Lounge am Alexanderplatz und finde, es sollte auch mal ein Balkonpflanzspiel für diese Spaßkonsole geben. Das würde die Zielgruppe genau treffen und auch der Unterhaltungsfaktor wäre sicherlich genauso groß wie beim Wii-Bowling oder Wii-Idiotenquiz. Da bin ich doch froh, endlich eine Playstation 3 zu besitzen. Wer braucht da schon Balkonmöbel?
Nach etlichen Wochen habe ich es doch tatsächlich heute geschafft, das erste Mal zu Detlef D! Soosts Dance School zu gehen. War wohl auch das letzte Mal. Denn genau das, was ich erwartet hatte, ist eingetreten – nur noch schlimmer. Eigentlich hatte ich schon ein ungutes Gefühl, als ich als einzige am Anmeldecounter mit „Sie“ angesprochen wurde. Dann die Konversationen in der Umkleidekabine: „Ich muss heute Abend noch Mathe lernen“ oder „Mein Freund hat mich heute von der Schule mit seinem Auto abgeholt“. Oho. Da wollte ich fast schon wieder gehen, aber die zehn Euro für die Probestunde hatte ich ja schon gezahlt. Aber spätestens nach der Tanzstunde war mir klar: Erstens sehe ich definitiv zu uncool und un-Popstars-mäßig aus, um da ernsthaft Eindruck zu machen. Zweitens habe ich einen Job und ein Auto und bin damit einfach zu alt. Und drittens machen mir all die D!-Pappaufsteller in Lebensgröße Angst, die einen aus sämtlichen Ecken aus anglotzen. Schade eigentlich, denn bei D’!s Dance School konnte man echt gut parken.
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Meine Knie sind blau, mein Hintern auch. Irgendwas ist mit meinem rechten Handgelenk los, fühlt sich kaputt an, so wie der Rest meines Körpers. Aber, und wenn das mal nichts ist, stand ich am Wochenende zum ersten Mal auf einem Snowboard. Jedenfalls immer so für einige Sekunden, als der Abwärts-Schwung größer war als die Schwerkraft. Zwei Mal bin ich die Piste runter gekommen, ein Mal aus dem Skilift gefallen und den Berg runtergerollt, und so viele Male auf die Schnauze gefallen, dass ich aufgehört habe, zu zählen. Hat total Spaß gemacht, und so. Wenigstens sah ich gut aus, denn ich hatte die ganze Zeit meine neue Megadeth-Mütze auf, die ich am Donnerstagabend bei The Priest Feast gekauft habe – hier Beweisbild von Eric, denn Spiegel gab’s am Merchandising-Stand nicht. The Priest Feast waren Testament, Megadeth und Judas Priest auf einmal live in Berlin. Also von Thrash zu Thrashiger zu Spinal Tap. Inklusive Nostradamus-Deko, viel Qualm und lustigen Kostümen. Ich habe nur drauf gewartet, dass Priest-Sänger Rob Halford mit seinem Dreizack und dem Glitzermantel in seinem Aufzug stecken bleibt, etwa wie in einer der berühmtesten Spinal Tap Szenen:
Übrigens haben sie das Publikum umsonst auf „Breaking the Law“ oder „Turbo Lover“ warten lassen. Oder habe ich das nur nicht mitbekommen, weil so geblendet war von Nostradamus?
Mehr Geschichten aus dem Schneegebiet Kapacz in Polen gibt es, sobald ich von der Webciety / CeBIT wieder daheim bin. Da geht es nämlich morgen früh zu einer unverschämten Uhrzeit los.





