Gespeichert unter: Berlin, London, Musik | Schlagworte: Chicks on Speed, Dollhouse, Lido
Es scheint ja so einfach zu sein, die vermeintliche Underground-Elektro-Szene glücklich zu machen: Man stelle einfach drei Frauen in Uniformen auf die Bühne und lasse die Musik aus dem Laptop kommen. Immerhin hält eine einen Bass in der Hand und die zweite ein Mikrofon. Die dritte versteckt sich hinter einem Deko-Keyboard und zeigt ab und zu ihre Hände, fast wie ein Beweis, dass sie die Tasten nicht berührt. Die so angesagten Chicks on Speed klingen und sehen aus wie Stedwardessen auf Valium – aber die Menge findet es total hip und keinesfalls Mainstream. Der coole und keinesfalls Mainstream-Radiosender Motor FM klingt genauso so, 24 Stunden am Stück.
Zum Glück gab es am heutigen Abend im Kreuzberger Club Lido jedoch auch eine echte Band zu sehen, mit echter Musik und echten Instrumenten und so. Das sind eben jene, die ich hier versucht habe, mit meiner altersschwachen Kamera zu fotografieren: The Dollhouse. Bekannte Gesichter aus London – darunter Anne-Marie und James, Mitbewohner, Freunde und Covent Garden-Busker – in neuer Formation und neuem Sound: Streicher und Popmusik ergibt eine verdammt gute und anspruchsvolle Mischung. Und im Gegensatz zum norwegischen Ken-Klon auf Happy-Pills, der gestern den Eurovision Song Contest gewonnen hat, ist hier die Geige nicht bloß ein lustiges Bühnen-Gimmik.
Auch interessant zu beobachten: Im Publikum „starke“ Frauen mit missglückten Emo-Frisuren und Stewardessen-Uniformen sowie prollige Kerle mit noch missglückteren Rockabilly-Haarschnitten. Ach, irgendwie verliere ich gerade den guten Glauben in den (Musik)-Geschmack der Massen, vor allem in derer, die sich für sehr speziell halten.
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