Nach einem verstrahlten (ins Bett um Fünf), sportlichen (Joggen auf dem Friedhof) und fleißigen (zwei Stunden Gitarre geübt) Sonntag, bin ich durch Zufall wieder auf eine Perle in meiner iTunes-Sammlung gestoßen, die irgendwie einen guten Soundtrack zu diesem Tag – und überhaupt – abgibt. Arab Strap mit „Speed-Date“:
„And if that’s really just what normal people do
Aren’t you proud to be a freak?“
Leider haben es diese Briten, über die ich in Cardiff gestolpert bin, es nie wirklich zu etwas gebracht (wie man auch unschwer an dem Video erkennen kann), sind aber dennoch hörenswert. Enjoy:
Noch nicht ganz, aber auf dem besten Weg dahin! Wer nicht meine Twitter-Updates verfolgt, hat vielleicht noch gar nicht mitbekommen, dass ich gerade lerne, eine echte Biker-Braut zu werden. Eigentlich wollte ich ja leise sein, bis ich ihn endlich in den Fingern habe, den Motorrad-Führerschein, aber das klappt ja ohnehin nicht. Die Freude der Familienanhörigen hält sich wie erwartet in Grenzen und die Blood and Gore-Stories kenne ich mittlerweile auch alle. Aber gestern hat es mich das Fieber so richtig gepackt und zum ersten Mal hatte ich in der Fahrstunde das Gefühl, dass das 200-Kilo schwere Teilchen irgendwie unter meinen Hintern gehört. Und die hier soll es mal werden: Triumph Bonneville – Spenden nehme ich auch schon dankend entgegen…
Da ist aber einer gefrustet! So spaßfrei und spießbürgerlich habe ich die Spiegel-Kollegen selten erlebt. Reinhard Mohr beklagt in seinem Artikel „Dauerparty-Zone Berlin: Ballermann an der Spree“ den Aufstieg Berlins zu drittbeliebtesten Touristenmetropole Europas und lamentiert gleich auf zwei Seiten über Lärm nach 23 Uhr, Pubcrawls und Straßenmusiker:
20 Jahre nach dem Mauerfall ist Berlin weniger soziales Laboratorium als bierseliges Touristenparadies. [...] Der Zauber des Ortes wird geflutet und zugedröhnt, abgefüllt und voll gestopft. Adieu Erinnerung, Wehmut und Transzendenz – willkommen Remmidemmi!
Der Mensch war noch nicht London, würde ich sagen. Da würde er sich doch glatt in Berlin wie auf dem Land fühlen, bei all der idyllischen Ruhe und den drei verwirrten Touristen – die hier immerhin Batschkapp und Stylo-Plastikbrille tragen, um sich in der Hauptstadt möglichst nicht als solche zu outen. Oder er gehört einfach zu den Leuten, die samstagabends gleich von den Türstehern des schicken Club wieder nach Hause geschickt wurden und so nie in den Genuss gekommen sind, morgens um Fünf nach einer durchtanzten Nacht den Sonnenaufgang über der Spree zu sehen. Armer Kerl, der Reinhard.
Wieder einmal ein Abend voller zuvor halb bekannter Engländer und einigen London-Dejàvus. Und kaum komme ich nach Hause, postet ein griechischer Facebook-Freund ein Video von IAMX, mit deren Frontmann ich gerade noch in Kreuzberg an einem Tisch gesessen habe. Also dachte ich, das sei nun definitiv einen Re-Post Wert – passenderweise kommt hier der Song „Think of England“:
PS: Ich hoffe wirklich sehr, dass er hier, Chris Corner, unseren Kelkheimer Flügel irgendwie nach Berlin transportieren kann – dann wird er ja vielleicht doch nochmal von einem richtigen Musiker gespielt, statt bloß von Amateuren, die wie ich gerade mal einen Flohwalzer klimpern können…
Gerade habe ich überlegt, ob vielleicht schon einen Post mit diesem Namen in meinem Blog existiert, aber da ist mir eingefallen, dass die Städte, in denen ich die letzten Sommer verbracht habe, ja ohnehin nie einen solchen hatten. In Berlin ist er also auch endlich angekommen, der Sommer, und da hier eigentlich bis auf die Supermärkte nichts klimatisiert ist, schwitzt alles bei 30 Grad. Gewitter sind kurz und heftig, weswegen das mit den Meetings auf der Sonnenterrasse an der Spree auch nicht so recht hinhauen will.
Der Kirchengemeinde nebenan hat’s wohl auch schon ein bisschen das Hirn weggebrannt, weswegen sie regelmäßig mit Black Sabbath ihren Biergarten beschallen. Ansonsten sind eine Menge skuriller Leute in der Stadt unterwegs – Stichwort Berlin Fashion Week. Justin Timberlake treibt sich hier auch irgendwo herum, aber ihn habe ich leider noch nicht getroffen. Dafür Bushido, den wir kurz zuvor unwissenderweise als „Proll, der wohl gerne Bushido wäre“ bezeichnet hatten. Sonst sind eine Menge Open Air Festivals am Start, zum Beispiel das „Fuck me now and love me later“ Festival, und die Jodelschule Kreuzberg hat auch gerade aufgemacht. Außerdem ist es hier üblich, wie ich gestern während einer Bar-Einweihungsparty festgestellt habe, sich einfach mit seinem Bier auf den Bürgersteig zu setzen. Fazit: Berlin ist einfach herrlich im Sommer!




